Börsenausblick |
14.12.2015 06:45:00
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«Die US-Zinserhöhung wäre positiv für CH-Börse»
«Die Marktteilnehmer erwarten den US-Zinsschritt», sagt Börsenexperte José Spescha vom Vermögensverwalter Parsumo Capital. Das berge aber auch Gefahren. Im Interview benennt er zudem Chancen am Aktienmarkt.
Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
José Spescha*: Seit September beobachten wir eine erhöhte Konzentration der Risiken an den Börsen. Marktteilnehmer fokussieren sich auf wenige, aber zentrale Themen - insbesondere auf die Zentralbanken und den Ölpreis. Die Notenbanken Europas und Amerikas driften in entgegengesetzte Richtungen: Die US-Notenbank Fed dürfte am 16. Dezember eine zaghafte Zinserhöhung vornehmen, die EZB dreht den Geldhahn weiter auf. Die Marktteilnehmer erwarten den US-Zinsschritt; tritt er nicht ein, würde dies eher schlecht aufgenommen werden, Rezessionsängste könnten aufkeimen und die Volatilität ansteigen.
Welche Auswirkungen sehen Sie für die Schweizer Börse?
Beschliesst die US-Notenbank eine Leitzinserhöhung, erleichtert das die Aufgabe der SNB, weil der Dollar als Anlagewährung noch zusätzlich an Attraktivität gewinnen würde. Sollte sich der Franken weiter abschwächen, wäre dies auch positiv für den weiteren Verlauf der Schweizer Börse. Anderseits könnten jedoch internationale Anleger bei unerwarteten Ereignissen jederzeit wieder in den sicheren Hafen des Frankens flüchten.
Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Unser Indikator, der die von Schweizer Banken empfohlene Aktienquote in einem gemischten Mandat erfasst, befindet sich nahe dem Höchststand. In der Vergangenheit entwickelten sich die Börsen bei solch hohen Aktienbeständen unvorteilhaft und erzielten auf zwölf Monate hinaus meistens negative Renditen. Der Verlauf des SMI dürfte 2016 zudem massgeblich von Währungseffekten bestimmt werden. Es ist - ähnlich wie 2015 - kein Höhenflug zu erwarten. Eine erhöhte Volatilität und ein grösseres Risiko von Marktrückschlägen bleiben bestehen.
Wo sehen Sie Chancen?
Zurzeit bin ich eher vorsichtig. Wir haben unsere Portfolios entsprechend defensiv ausgerichtet. In Bezug auf die Regionen empfehle ich Engagements in Europa. Die EZB ist sehr akkommodierend und die Gewinnmargen befinden sich auf einem zyklisch tiefen Niveau. Das birgt positives Überraschungspotenzial. Für risikofähige Investoren mit einem ausreichend langen Anlagehorizont bieten sich auch Möglichkeiten im Bereich der Rohstoffe und der Schwellenländer. Denn die Gefahr höherer Zinsen in Amerika dürfte zum Grossteil eingepreist sein. Die grösste Herausforderung ist das richtige Timing.
Wie geht es weiter beim Ölpreis?
Der Entscheid des Ölkartells Opec, die Förderquoten beizubehalten, weckt den Eindruck, die Opec wolle sich selber schaden. Die Marktteilnehmer quittierten den Entscheid mit Verkäufen. Kurz- und mittelfristig tendiert der Ölpreis zu weiterer Schwäche. Für ansteigende Notierungen spricht, dass die Produktion in den USA eher rückläufig ist. Der Lagerbestand in den USA wird in der Folge zurückgehen. Sobald dies ersichtlich wird, könnte der Ölpreis wieder anziehen. Es wird interessant, wie Saudi-Arabien mit seinem Budgetdefizit und der neuen Konkurrenz, dem Erzfeind Iran, umgehen wird.
Wie geht es weiter beim Franken?
Der Franken war im letzten Jahr so stark, weil es Europa dermassen schlecht ging. Das hat zu einer Kapitalflucht in den Franken geführt. Setzt die EZB ihre geldpolitischen Initiativen um und erholt sich die europäische Wirtschaft allmählich, könnten die Kapitalströme wieder drehen. Die EZB hat ihr Pulver zumindest temporär verschossen und ohne weitere spektakuläre Massnahmen dürfte sich der Aufwärtsdruck auf den Franken nicht erhöhen. Doch die Kapitalmärkte sind nach wie vor angespannt. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Franken bei negativen Überraschungen wieder als sicherer Hafen gesucht wird.
Ihr Geheimtipp am Aktienmarkt?
Zurzeit agiere ich an den Aktienmärkten eher vorsichtig. Hält der Trend eines sich abschwächenden Frankens an, dürften Small und Mid Caps besser abschneiden als die grosskapitalisierten Konzerne. Dieser Trend hat im August 2015 eingesetzt und ist noch nicht ausgereizt. Small und Mid Caps sind allerdings tendenziell höheren Schwankungen unterworfen.
José G. Spescha ist Mitglied der Geschäftsleitung und Managing Partner des Vermögensverwalters Parsumo Capital. Als Verkaufschef betreut er den Bereich Marketing & Relationship Management.
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