Kleinerer Zinsschritt |
15.12.2022 06:17:00
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US-Fed erhöht Leitzinsniveau wie erwartet - mehr Zinsanhebungen signalisiert

Die US-Notenbank Fed hat im Kampf gegen die Inflation ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte angehoben und damit einen moderateren Kurs eingeschlagen.
Die neuen Inflationsdaten des Arbeitsministeriums dürften ihn nun in dieser Entscheidung bestärkt haben. Denn im November hat sich die Teuerungsrate in den USA stärker als erwartet abgeschwächt. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise um 7,1 Prozent. Es war der fünfte Rückgang der Inflationsrate in Folge.
Auch die US-Notenbank hat nun Schätzungen zur Teuerungsrate veröffentlicht. Sie rechnet im laufenden Jahr mit einer nur etwas höheren Inflationsrate als zuvor angenommen. Die Teuerungsrate soll durchschnittlich bei 5,6 Prozent liegen. Das deutet darauf hin, dass die Dynamik des Preisanstiegs nachlässt. Die von der Fed mittelfristig gewünschte Inflationsrate liegt bei zwei Prozent - davon sind auch die neuen Zahlen noch weit entfernt.
Der neuerliche Zinsschritt ist nun zwar immer noch beachtlich. Gewöhnlich zieht es die Fed vor, den Leitzins in Schritten von 0,25 Prozentpunkten anzuheben. Aber er markiert dennoch einen Einschnitt, weg von der besonders aggressiven Geldpolitik.
Die Fed scheint ihren Kampf gegen die hohe Inflation allerdinngs nicht so bald abbrechen zu wollen. Für kommendes Jahr signalisiert die Federal Reserve sogar mehr Zinsanhebungen als bisher. In den Jahren danach dürfte die Geldpolitik zwar gelockert werden. Den Prognosen zufolge deutet sich aber ein höheres Zinsniveau an, als die Notenbanker bisher angedeutet hatten.
Die Fed sagt für das kommende Jahr ausserdem ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum voraus als noch vor drei Monaten angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrössten Volkswirtschaft wird demnach 2023 um 0,5 Prozent wachsen. Das wären 0,7 Prozentpunkte weniger als noch im September prognostiziert.
Durch die Erhöhung des Leitzinses verteuern sich Kredite, was die Nachfrage ausbremst. Das hilft dabei, die Teuerungsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum. Mit der strengen Geldpolitik der Fed wächst also das Risiko, dass die Bank die Wirtschaft so stark bremst, dass Arbeitsmarkt und Konjunktur abgewürgt werden. Zuletzt kam Kritik am Vorgehen der Fed auf. Der Vorwurf lautete, Fed-Chef Powell drehe zu stark an der Zinsschraube, und die USA könnten in eine Rezession schlittern.
Hinter der US-Notenbank liegt ein turbulentes Jahr. Die drastischen Massnahmen sind die Folge einer Inflation, die zeitweise so hoch war wie seit Jahrzehnten nicht. Die Fed hatte Mühe, mit den steigenden Verbraucherpreisen Schritt zu halten. Erfolge schienen zunächst auszubleiben. Das liegt auch daran, dass die Zinsentscheidungen der Fed erst verzögert Wirkung zeigen. Und so könnte sich die volle Wucht der ungewöhnlich grossen Zinsschritte erst im kommenden Jahr bemerkbar machen.
Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Analysten gehen davon aus, dass die Fed auch im Jahr 2023 zunächst weiter die Zinsen anheben wird - allerdings in moderaten Schritten.
US-Notenbankchef Powell sieht keine Zinssenkung im kommenden Jahr
Die US-Notenbank Fed wird aus Sicht von Fed-Chef Jerome Powell ihre Leitzinsen im kommenden Jahr wohl nicht senken. Gefragt nach der Möglichkeit von Zinssenkungen im Jahr 2023, sagte Powell am Mittwoch in Washington: "Unser Fokus liegt derzeit darauf, die Geldpolitik so restriktiv zu gestalten, um die Inflation im Laufe der Zeit auf zwei Prozent zurückzuführen." Über Zinssenkungen mache man sich daher keine Gedanken.
An den Märkten wird aktuell darauf spekuliert, dass sich die US-Wirtschaft im kommenden Jahr so stark abschwächt, dass die Fed kaum eine Wahl hat, als ihre Geldpolitik wieder zu lockern. Nach der jüngsten Zinsanhebung vom Mittwochabend hat die Fed ihre Leitzinsen in diesem Jahr zur Bekämpfung der hohen Inflation um 4,25 Prozentpunkte angehoben. Einige Marktteilnehmer sehen das Risiko, dass die Fed die US-Wirtschaft damit überfordert und in eine Rezession stürzt.
Ökonomen-Stimmen zur Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed
Die US-Notenbank Fed drosselt ihr Straffungstempo, will den Kampf gegen die hohe Inflation aber nicht einstellen. Im Gegenteil: Nach ihrer Zinssitzung am Mittwoch in Washington stellen die Währungshüter für kommendes Jahr sogar zusätzliche Zinsanhebungen in Aussicht. Notenbankchef Jerome Powell weist Spekulationen auf geldpolitische Lockerungen im kommenden Jahr zurück. Was sagen Ökonomen dazu?
Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust:
"Mit der erwarteten Zinserhöhung um 0,5 Punkte zeigt die Fed weiter Entschlossenheit bei der Bekämpfung der Inflation, trägt aber dem etwas geringeren Preisdruck in den vergangenen Monaten Rechnung. Die leichte Verlangsamung ist auch deswegen nachvollziehbar, weil die vergangenen vier grossen Zinsschritte ihre volle Auswirkung auf Konjunktur und Inflation noch gar nicht haben entfalten können. (...) Die erhöhten Zinserwartungen des Offenmarktausschusses sind ein klares Signal, dass die Fed noch mehr tun wird, um eine Verfestigung der Inflation zu verhindern."
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank:
"Die Fed drosselt das Tempo der Zinsanhebungen, was aber nicht das Ende des geldpolitischen Straffungskurses bedeutet. Die Fed möchte nicht den Eindruck erwecken, dass sie nun die Hände in den Schoss legt. Das ist verständlich, wäre es zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht und damit das falsche Signal an die Finanzmärkte. Die Fed übt sich deshalb im Spagat. Das Motto lautet: langsamer, dafür aber länger."
Elmar Völker, Analyst LBBW Research:
"Die Mehrzahl der US-Währungshüter hält eine Lockerung der Geldpolitik frühestens im Jahr 2024 für vertretbar. Die Notenbanker stimmen Finanzmärkte und Öffentlichkeit damit einmal mehr auf einen langen und zähen Kampf gegen die hohe Inflation ein. Dies gilt, zumal der US-Arbeitsmarkt noch immer zu angespannt ist, um Sorgen vor einer Preis-Lohn-Spirale ad acta zu legen. Vor diesem Hintergrund tut die Fed einstweilen gut daran, nicht zu früh ein geldpolitisches Lockerlassen zu signalisieren."
Bernd Weidensteiner und Christoph Balz, Analysten Commerzbank:
"Die US-Notenbank hat heute wie erwartet den Zielkorridor für den Leitzins um 50 Basispunkte auf 4,25 Prozent bis 4,50 Prozent erhöht. Gleichzeitig stellt die Fed weitere Zinsschritte auf über 5 Prozent und damit mehr als bisher in Aussicht. Signale hinsichtlich einer Pause im Zinserhöhungszyklus sind nicht zu erkennen."
/nau/DP/bgf
WASHINGTON (dpa-AFX)
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